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Dr. Daniel Friedrich Ludwig Pistor (1807-1886)

zuletzt aktualisiert: 16.05.2007

Dr. Daniel Friedrich Ludwig Pistor (1807-1886)
Dr. Daniel Friedrich Ludwig Pistor (1807-1886)

Daniel Friedrich Ludwig Pistor wurde am 29. Juni 1807 in Bergzabern geboren. Seine Familie gehörte zur städtischen Führungsschicht. Sein Vater war mehrere Jahre Mitglied des Stadtrates und 1808/09 sogar Maire gewesen. Nach seinem Abitur 1826 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München. 1827 wurde Pistor Mitglied der Burschenschaft Markomannia, welche die „Herbeiführung eines in Einheit und Freiheit geordneten deutschen Staatslebens" anstrebte. Besonders Studenten, die aus dem Rheinkreis stammten, waren in ihr stark vertreten. Nach Streitigkeiten begründete Pistor mit einigen Kommilitonen die Burschenschaft Germania. Ab dem Frühjahr 1829 publizierte sie die „Allgemeine akademische Zeitschrift", um ihre Ideen zu verbreiten. Die Publikation musste jedoch wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt werden. Zusammen mit Hubert Beckers gründete Pistor im Anschluss die „Akademische Gesellschaftsaula", die ein Zirkel für alle Studenten werden sollte. Ab November 1829 setzte er sein Studium in Heidelberg fort, wo er führend an der Gründung der Burschenschaft Frankonnia beteiligt war. Auch in dieser waren die Pfälzer besonders stark vertreten. Im Sommer 1830 kehrte Pistor an die Universität München zurück, wo er 1831 promovierte.


Unter dem Eindruck der Julirevolution in Frankreich und den Dezember-Unruhen in München - zwischen dem 24. und 29. Dezember 1830 war es zu nächtlichen Störungen durch Studenten gekommen, die aber unpolitischen Charakters waren - hatte sich in der zweiten Jahreshälfte 1830 das politisch Klima in Bayern unter König Ludwig I. verschärft. Die Staatsregierung veranlasste, dass der Senat der Universität 1831 die „Akademische Gesellschaftsaula" auflöste. Studenten wurden der Stadt verwiesen und die Presse erneut der Zensur unterworfen. Die Folge waren Proteste der Liberalen und eine zunehmende Politisierung der Burschenschaften, allen voran Pistors Germania. Sie unterstütze mit Spenden den polnischen Freiheitskampf, warb für die liberalen Zeitungen, wie Wirths „Deutsche Tribüne" und Siebenpfeiffers „Rheinbayern", und wurde Mitglied im Pressverein. Pistor veröffentlichte im Februar 1832 den Bürger-Katechismus für Teutschland, in dem er radikal demokratische Ideen vertrat. Über Friedrich Schüler, mit dem er verwandt war, wurde Pistor Anfang Mai 1832 als zweiter Sekretär des Zentralkomitees des Pressvereins im Rheinkreis angestellt. Auf dem Hambacher Fest hielt Pistor eine so revolutionäre Rede, dass Wirth diese nicht in seiner Festbeschreibung aufnahm, um jegliche Provokation zu vermeiden.


Den Verhaftungen nach dem Hambacher Fest entzog sich Pistor Mitte Juni 1832 durch Flucht über die Grenze nach Frankreich. Im Prozess gegen die Organisatoren des Festes im August 1833 wurde er in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt. In einem zweiten Prozess, in dem er wegen seiner Ansichten, die er im Bürger-Katechismus geäußert hatte, angeklagt war, wurde er wegen Hochverrats verurteilt. Im Pariser Exil engagierte sich Pistor in den Emigrantenzirkeln, wie dem „Bund der Geächteten" oder „Bund der Gerechten", und suchte mit der Herausgabe von Tageszeitungen publizistischen Erfolg, der jedoch ausblieb. Nachdem ein Begnadigungsersuch vom Juli 1838 vom bayerischen König Ludwig I. abgelehnt wurde, nahm Pistor in Straßburg erneut das Jura-Studium auf und erwarb 1841 die zweite Doktorwürde. Anschließend war er in einer Kanzlei in Metz tätig. In der Revolution von 1848/49 betätigte sich Pistor als Redner der demokratischen Linken in Metz, zog sich aber nach dem Scheitern und dem Staatsstreich Louis Napoleons 1851 weitestgehend aus der Politik zurück. Pistor starb 1886 und wurde auf dem Friedhof in Bergzabern beigesetzt. (mw)


Literatur: