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Freiligraths "Glaubensbekenntnis"

zuletzt aktualisiert: 24.05.2007

Ferdinand Freiligrath (1810-1876)
Ferdinand Freiligrath (1810-1876)

Im Jahre 1844 erschien im Zabern-Verlag in Mainz ein 323 Seiten starker Band mit Zeitgedichten unter dem Titel "Ein Glaubensbekenntnis". Autor dieser Schrift war Ferdinand Freiligrath (1810-1876), ein bedeutendste Vertreter der politischen Dichtung des Vormärz. Freilingrath richtete seine Zeitgedichte z.B. gegen Persönlichkeiten der preußischen Verwaltung, gegen die Zensur und die preußische Justiz: ...fest und unerschütterlich trete ich auf die Seite derer, die mit Stirn und Brust der Reaction sich entgegenstemmen! Kein Leben mehr für mich ohne Freiheit!


Titelblatt „Das Glaubensbekenntnis“ von Ferdinand Freiligrath
Titelblatt „Das Glaubensbekenntnis“ von Ferdinand Freiligrath

Für einen Verleger im Gebiet des Deutschen Bundes barg eine politisch derart brisante Schrift ein hohes unternehmerisches Risiko, denn er musste mit der Beschlagnahmung der gesamten Auflage durch die Zensurbehörden rechnen, selbstverständlich ohne irgendeine finanzielle Entschädigung. Umso bemerkenswerter ist es daher, dass Freiligraths Glaubensbekenntnis in Mainz verlegt wurde, wo das Mainzer Informations Bureau (Nachfolgeinstitution der "Zentraluntersuchungskommission" seit 1833) seinen Sitz hatte und wo die Berichte von sogenannten Konfidenten, also Spitzeln, aus dem gesamten Bundesgebiet zusammenliefen.


Der Verleger Victor von Zabern versuchte durch ein künstliches Aufblähen des Umfangs des Glaubensbekenntnisses auf mindestestens 20 Bogen, d.h. 320 Seiten im Oktavformat, die Vorzensur zu umgehen, der nur aktuelles Schrifttum unter 320 Seiten Umfang unterlag.
Kurz nach Erscheinen des Glaubensbekenntnisses wurde die Schrift in zahlreichen Staaten verboten; im Großherzogtum Hessen erfolgte das Verbot und die Beschlagnahmung der wenigen Restexemplare am 17. Oktober. Freiligrath musste in das Brüsseler, später dann Schweizer und Londoner Exil fliehen. 1848 kehrte er nach Düsseldorf zurück und wurde 1851 wegen staatsfeindlicher Umtriebe verhaftet.