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Daniel Hertle (1821-1875)

zuletzt aktualisiert: 07.09.2009

von Roland Paul

Daniel Hertle wurde am 21. Juni 1821 in Bergzabern als Sohn der seit einem Jahr verwitweten Susanna Hertle, geb. Pistor geboren. Sie war ein Mitglied der angesehenen Familie Pistor, die zur städtischen Führungsschicht in Bergzabern gehörte und in der Franzosenzeit als „patriotisch“ bezeichnet wurde. Daniel Hertle’s Vetter Dr. jur. Daniel Pistor, der Stifter der Burschenschaft "Germania" in München, wurde 1833 wegen seiner Rede auf dem Hambacher Fest verurteilt. Auch Johann Daniel Hertle entschloss sich zum Jurastudium, nach dessen erfolgreichem Abschluss er eine erste Verwendung als Rechtskandidat in Frankenthal fand. 1849 galt er als einer der gefährlichsten Teilnehmer des pfälzischen Aufstandes. Die Anklage warf ihm 1850 eine Reihe von Vergehen vor. So habe er am 27. April 1849 den Aufruf zur Bildung der Provisorischen Regierung in Kaiserslautern mit unterzeichnet, als Hauptmann in der Volkswehr sich an bewaffneten Zügen nach Zweibrücken beteiligt, um aus der dortigen Kaserne Waffen und Pferde zu requirieren, als Zivilkommissär in Homburg u. a. staatliche Kassen beschlagnahmt und königliche Beamte zur Eidesleistung aufgefordert, überhaupt sei er „ein so terroristischer Agent der revolutionären Gewalt, daß er zu den ersten und eifrigsten derselben gezählt werden muß.“ 1850 emigrierte Daniel Hertle zunächst nach England. Im August 1851 hielt er sich in London auf. 1852 war er Mitglied des dortigen Agitationsvereins. Im folgenden Jahr begab er sich von England in die USA.


Sein aus Frankenthal stammender Freund Georg Hillgärtner eine Stelle bei der "Illinois Staatszeitung" in Chicago. Der Zeitungsarbeit müde, wandte sich Hertle nach wenigen Jahren doch wieder seinem erlernten Beruf zu und eröffnete mit einem anderen Deutschen eine Anwaltskanzlei in Chicago. Als Präsident der amerikanischen Turner-Organisation sprach sich Hertle auf dem Turnerkongress in Buffalo 1855 energisch gegen die Sklaverei und die Fremdenfeindlichkeit in den USA aus. Ab 1858 finden wir ihn als Mitarbeiter an der „Westlichen Post“ in St. Louis, einem hervorragenden republikanischen Blatt von großem Einfluss, das damals von dem Achtundvierziger Carl Dänzer herausgegeben wurde. 1860 lebte er zusammen mit einem weiteren "Achtundvierziger", dem Apotheker Dr. Enno Sander sowie dem Arzt Dr. Alfred Behr und Franz Schneider im gleichen Haushalt in St. Louis. 1870 wird er als "Reporter for newspaper" und als Mieter bei dem Graveur Charles Stubenrauch im Census geführt.


Hertles Buch über "Die Deutschen in Nordamerika und ihr Freiheitskampf in Missouri" ist eine wertvolle Quelle für die Geschichte der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert. 1872 rief Daniel Hertle aus der Ferne zur Erinnerungsfeier an den 40. Jahrestag des Hambacher Festes auf die Maxburg ("Hambacher Schloss") auf. Nach mehrjährigem Aufenthalt in den USA trieb es Hertle wieder zurück nach Deutschland. Für einige Zeit soll er dann für eine Mannheimer Zeitung gearbeitet haben. In den siebziger Jahren soll er auf einer Reise in Bayern verschollen sein. Der Familienüberlieferung zufolge ist er 1875 verstorben.


Literatur:

  • Roland Paul: Daniel Hertle – ein Achtundvierziger aus der Südpfalz. In: Paul/Scherer (Hg.): Pfälzer in Amerika. Kaiserslautern 1995. S. 229f. 
  • Ders. (Hg.): "Hier hat man ein viel besseres Leben wie in Deutschland". Briefe pfälzischer Auswanderer aus Nordamerika (1733-1899). Kaiserslautern 2009.
  • Ders.: "Hier ist Freiheit und ein großes leeres Land". Brief des Aus- und Rückwanderers Ludwig Ritter (Annweiler) aus den USA. In: Hefte für Pfälzisch-rheinische Familienkunde 57/58 (2008/2009) Bd. 16, Doppelheft 9/10, S. 541-544.
  • Heinrich Raab: Revolutionäre in Baden. Stuttgart 1998.
  • Günther Volz: Zur Geschichte der Familie Pistor aus Bergzabern vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute. Pfälzer, Patrioten, Europäer (= Jahrbuch der Hambacher-Gesellschaft Sonderband), Neustadt a.W. 2002.